Beleuchtungsrundgang St. Georg: Wie viel Licht braucht die Stadt?
Beleuchtungsrundgang durch St. Georg: Lichtverschmutzung, Lichtmangel und was beides für Hamburg-Mitte bedeutet – vier Perspektiven.
Stephanie Wittern ca. 2 Min. Lesezeit Lesezeit
Wie hell ist eigentlich zu hell? Mit dieser Frage sind wir gemeinsam mit den Grünen aus St. Georg zu einem abendlichen Beleuchtungsrundgang aufgebrochen. Unser Weg führte uns vom Hansaplatz durch den Lohmühlenpark bis zur Alster – und die Eindrücke haben mich nachdenklich gemacht.
Licht aus vier Perspektiven
Beleuchtung ist mehr als eine technische Frage. Wir haben sie aus vier Blickwinkeln betrachtet: Sicherheit, Naturschutz, Gesundheit und Technik.
Gerade in einer dicht bebauten Stadt wie Hamburg-Mitte ist das ein sensibles Thema. Licht kann Orientierung geben und das Sicherheitsgefühl stärken. Es kann aber auch stören, blenden, Wohnräume beeinträchtigen, Tiere aus ihrem Lebensraum drängen und uns den Blick auf den Nachthimmel nehmen. Genau diese Zielkonflikte wurden auf unserem Rundgang sehr sichtbar.
Mehr Licht bedeutet nicht automatisch mehr Sicherheit
Ein wichtiger Eindruck aus dem Lohmühlenpark: Die dort installierten neuen Leuchten strahlen ihr Licht in viele Richtungen ab. Das Problem dabei – direkt unter der Lampe entstehen teils Schatten. Was auf den ersten Blick hell wirkt, schafft also nicht automatisch bessere Sicht oder mehr Übersicht.
Gleichzeitig erleben viele Anwohner:innen den Lohmühlenpark bei Dunkelheit als zu dunkel. Es gibt Ecken, die schlecht oder gar nicht ausgeleuchtet sind. Das beeinflusst das Sicherheitsgefühl – und diese Rückmeldungen aus der Nachbarschaft müssen wir ernst nehmen.
Für mich zeigt das sehr deutlich: Gute Beleuchtung muss gezielt geplant werden. Es geht nicht um möglichst viel Licht, sondern um gleichmäßiges, gut ausgerichtetes Licht, das Orientierung gibt und Angsträume reduziert.
Zu viel Licht ist auch ein Problem
An der Alster wurden Bodenbeleuchtungen mit über 1.000 Lux gemessen. Das Hotel Atlantic, dessen Fassade von unten nach oben angestrahlt wird, strahlt Licht in den Himmel. Dazu kam ein Kran, der blaues Licht in die Umgebung wirft und damit auch höher gelegene Wohnungen erreicht.
Solche Beispiele machen deutlich: Schlechte Beleuchtung ist nicht nur eine Frage des Geschmacks. Sie ist eine Frage von Lebensqualität, Immissionsschutz und Energieverschwendung.
Licht betrifft Natur und Gesundheit
Licht in der Nacht ist nie neutral. Es beeinflusst Tiere, Pflanzen und Menschen. Gerade kaltes oder blaues Licht stört natürliche Rhythmen. Im Lohmühlenpark konnte man an diesem Abend sogar Sterne sehen – aber auch dort wird deutlich, wie sehr künstliches Licht unseren Nachthimmel überlagert.
Es geht auch besser
Die St.-Georg-Kirche zeigt, wie es funktionieren kann: dezente, indirekte Beleuchtung, die nachts abgeschaltet wird. Genau so kann verantwortungsvolle Lichtgestaltung aussehen.
Unser politischer Auftrag
Wir brauchen in Hamburg-Mitte eine Beleuchtung, die Angsträume reduziert, ohne neue Probleme zu schaffen. Eine Beleuchtung, die den öffentlichen Raum sicherer macht, ohne die Nacht zum Tag zu machen. Und eine Beleuchtung, die Rücksicht nimmt auf Anwohner:innen, auf Tiere und auf unsere Umwelt.
Welche Orte in Hamburg-Mitte fallen euch beim Thema Beleuchtung auf? Wo gibt es dunkle Ecken, Blendung oder unnötige Lichtverschmutzung? Schreibt mir gern eure Hinweise – über das Kontaktformular oder beim nächsten Infostand in Horn oder Hamm.