Zum Hauptinhalt springen
Luftbild der Horner Geest Hamburg-Horn – Grünzug mit Parks, Grünem Loop und Klimainfrastruktur aus der Vogelperspektive

Natur, Parks und Klimaanpassung in Hamburg-Horn

Parks, Moore und Klimainfrastruktur in Hamburg-Horn: Blohms Park, Horner Moor, Grüner Loop und Schwammstadt – alles, was du wissen musst.

Aktualisiert: Geprüft: ca. 16 Min. Lesezeit Lesezeit

Horn ist grüner, als viele denken – und das ist kein Zufall

Wer Horn nur vom Durchfahren kennt, sieht vielleicht zuerst die Manshardtstraße, die charakteristischen Zeilenbauten der Nachkriegszeit oder den Trubel um die Horner Freiheit. Wer genauer hinschaut oder einfach zu Fuß geht, entdeckt etwas, das mich immer wieder überrascht: Die Parks und Grünflächen machen Horn zu einem ausgesprochen grünen Stadtteil. Der Blohms Park mit seinem jahrhundertealten Baumbestand, das Horner Moor mit seiner Artenvielfalt, die Horner Paradiese als Nachbarschaftsprojekt. Das ist nicht selbstverständlich, sondern das Ergebnis von langem Engagement, manchmal hartem Verhandeln und dem schlichten Willen, diese Flächen zu schützen. Die Parks in Hamburg-Horn sind zentral dafür, wie gut der Stadtteil mit Hitze und Starkregen zurechtkommt.

Als Vorsitzende des KUS-Ausschusses – das steht für Klimaschutz, Umwelt und Stadtnatur – ist das Thema Grünflächen und Klimaanpassung für mich mehr als ein politisches Aufgabenfeld. Es ist der Kern dessen, was ich in Horn und im ganzen Bezirk Mitte bewegen will. Die Klimakrise macht sich auch in unserem Stadtteil längst spürbar: Hitzetage häufen sich, Starkregenereignisse werden intensiver, und wer in einem Altbau ohne Belüftung wohnt, weiß, wie unerträglich heiße Sommer in dicht bebauten Quartieren sein können.

Die gute Nachricht: Es gibt Antworten auf diese Herausforderungen. Manche davon sind historisch gewachsen und stehen schon seit Jahrzehnten in unserem Stadtteil – als Parkanlagen, Moore und Grünzüge. Andere werden gerade neu gedacht und gebaut, als Grüner Loop, als Schwammstadt-Infrastruktur oder als nachhaltiges Quartierszentrum wie der Horner Aufschwung. Dieser Guide geht durch Natur, Parks und Klimaanpassung in Hamburg-Horn.

Luftaufnahme des Blohms Parks Hamburg-Horn – Grünanlage in der Horner Geest aus der Vogelperspektive im Architekturmodellstil

Naherholung und historische Grünräume

Um zu verstehen, warum die aktuellen Klimaanpassungsstrategien so wichtig sind, lohnt sich zunächst ein Blick auf den ökologischen und kulturhistorischen Wert der bereits vorhandenen Grünanlagen. Diese Räume prägen das lokale Mikroklima.

Blohms Park: Das botanische Erbe der Kaufmannsfamilien

Der Blohms Park ist ein außergewöhnliches Zeugnis der bürgerlichen Gartengeschichte Hamburgs. Seine Ursprünge reichen bis ins 17. und 18. Jahrhundert zurück. Die Familie de Hertoghe, die als lutherische Flüchtlinge aus den Niederlanden eingewandert war, formte das Anwesen über 133 Jahre lang maßgeblich. Der Prediger Lorenz Maneke beschrieb das Grundstück im Jahr 1745 als den prächtigsten Garten der gesamten Hansestadt. Zu den damaligen Highlights zählten ein Palais mitten in einem Karpfenteich (auf steinernen Pfeilern errichtet), eine kunstvolle Grotte mit Fontänen und ein beheiztes Orangerie-Haus, in dem exotische Gewächse aus Afrika und Amerika kultiviert wurden.

Blohms Park Hamburg-Horn – historische Grünanlage mit altem Baumbestand aus der Vogelperspektive im Architekturmodellstil

Eine prägende neue Epoche begann 1816 mit dem Kauf des Anwesens durch den Kaufmann und späteren Senator Heinrich Johann Merck. Merck beauftragte 1836 den klassizistischen Architekten Franz Gustav Forsmann – einen direkten Schüler von Carl Ludwig Wimmel, der auch das berühmte Jenisch-Haus entworfen hat – mit dem Bau einer neuen Villa. Senator Merck war selbst passionierter Botaniker, und seine Leidenschaft lebt bis heute weiter: Die nach ihm benannte Dahlia merckii, eine Dahlie mit Ursprung in den Bergregionen Mexikos, wird seit etwa 1840 kultiviert.

Der heutige Name des Parks leitet sich von der Familie Blohm ab, die das Anwesen in der Folgezeit übernahm. Nach dem teilweisen Abriss der historischen Villa im Jahr 1910 und den schweren Kriegszerstörungen wurde das Gelände in der Nachkriegszeit zum sozialen und kulturellen Treffpunkt. Auf den massiven Kellermauern der alten Villa entstand 1951 ein norwegisches Holzhaus, das zunächst als Jugend-Europa-Haus und später als Dänisch-Deutsche Akademie diente.

EpochePrägende PersönlichkeitenArchitektonische und botanische Meilensteine
Mitte 18. JahrhundertFamilie de HertogheAnlage eines Palais im Karpfenteich, Bau einer Grotte, Bau der Orangerie, Unterhalt eines exotischen Tiergartens
19. JahrhundertSenator Heinrich Johann MerckBau der klassizistischen Villa durch F.G. Forsmann, botanische Züchtung und Namensgebung der Dahlia merckii
20. JahrhundertFamilie Blohm / Stadt HamburgEtablierung des heutigen Namens, Umwidmung der Flächen, Bau des Jugend-Europa-Hauses auf historischen Fundamenten
Ab den 1960er JahrenÖffentliche ParkverwaltungIntegration der Ohlendorff-Löwenplastik, dauerhafte Sicherung als öffentlicher Naherholungsraum

Der eiserne Löwe und Horns ältester Baum

Ein besonderes historisches Zentrum im heutigen Blohms Park ist die eiserne Löwen-Plastik – und ihre Geschichte beginnt gar nicht in Horn. Im benachbarten Stadtteil Hamm ließ der Kaufmann Heinrich Freiherr von Ohlendorff im Jahr 1874 ein prächtiges Palais im Renaissancestil errichten. Ohlendorff, der durch den Guano-Handel zu erheblichem Reichtum gelangt war und zu den Mitbegründern der Zoologischen Gesellschaft zu Hamburg gehörte, ließ die Freitreppe seines Anwesens mit zwei imposanten eisernen Löwen flankieren.

Während das Ohlendorff’sche Palais den Bombardierungen im Juli 1943 fast vollständig zum Opfer fiel, überstanden die eisernen Löwen die Zerstörung. Sie wurden danach als „letzte Säulen verschwundener Pracht“ beschrieben. Nach einer vorübergehenden Lagerung im Hammer Park – in dieser Zeit verschwand eine der beiden Plastiken spurlos – wurde der verbliebene, sitzende Löwe auf einem Rollbrett in den Blohms Park transferiert. Seit Anfang der 1960er Jahre steht das heute denkmalgeschützte Kunstwerk an seinem jetzigen Platz.

Seine Positionierung ist dabei kein Zufall: Er flankiert den ältesten Baum des gesamten Stadtteils, eine massive Stiel-Eiche mit einem Stammumfang von 4,5 Metern. Mit großer Wahrscheinlichkeit wurde sie um das Jahr 1817 von Senator Merck selbst gepflanzt. Für das städtische Mikroklima ist der Erhalt solcher alten Einzelbäume wichtig; warum, steht weiter unten.

Das Horner Moor: Ökologischer Trittstein und Biodiversitäts-Hotspot

Im klaren Gegensatz zur gartenbaulich durchgestalteten Kulturlandschaft des Blohms Parks steht das Horner Moor. Diese Fläche ist ein essenzieller ökologischer Trittstein im übergeordneten Hamburger Biotopverbund. Das Landschaftsprogramm der Freien und Hansestadt Hamburg definiert solche Trittstein-Biotope als kritische Infrastruktur: Ohne sie können seltene Tier- und Pflanzenarten sich nicht ausbreiten, genetisch austauschen und neue Gebiete besiedeln – in einem dicht versiegelten städtischen Netz eine echte Überlebensfrage.

Horner Moor Hamburg-Horn – Luftaufnahme des geschützten Biotops im Architekturmodellstil, ökologischer Trittstein im Hamburger Biotopverbund

Die systematischen Renaturierungsmaßnahmen der vergangenen Jahrzehnte haben sich bezahlt gemacht: Im Horner Moor haben sich wieder stabile hochmoortypische Lebensräume etabliert. Die Flora und Fauna sind hochspezialisiert – sie leben unter Bedingungen, die für die meisten anderen Arten unwirtlich wären: nährstoffarm, sauer, dauerfeucht. Botanisch prägend sind verschiedene Torfmoose (Sphagnum) sowie der Rundblättrige Sonnentau (Drosera rotundifolia). Der Sonnentau ist eine fleischfressende Pflanze: Er fängt Insekten und verdaut sie, um den extremen Stickstoffmangel des Moorbodens auszugleichen. In der Tierwelt finden sich geschützte Arten wie der Moorfrosch (Rana arvalis), die Kreuzotter (Vipera berus) und der seltene Hochmoor-Perlmuttfalter. Auch vogelkundlich ist das Gebiet bedeutend: Kranich, Saatgans und Bekassine nutzen das Moor als Rast- oder Brutgebiet.

Über den Artenschutz hinaus leistet das Horner Moor einen handfesten Beitrag zur lokalen Klimaanpassung. Intakte, wassergesättigte Moorböden speichern Kohlenstoff über lange Zeiträume. Ihr Wasserspeichervermögen wirkt an heißen Sommertagen wie eine natürliche Klimaanlage für die umliegenden dicht besiedelten Horner Wohnstraßen: Die kontinuierliche Verdunstung von Wasser über die Vegetation (Evapotranspiration genannt) entzieht der Luft Wärmeenergie und kühlt das lokale Mikroklima ab. Deshalb ist der strikte Schutz solcher Flächen vor wasserbaulichen Eingriffen oder Nährstoffeinträgen keine romantische Naturschutzposition, sondern eine stadtklimatische Notwendigkeit.

ArtengruppeRepräsentative Arten im Horner MoorÖkologische Bedeutung
FloraTorfmoose (Sphagnum), Rundblättriger Sonnentau (Drosera rotundifolia), Wollgras (Eriophorum)Zeigen nährstoffarme, intakte hydrologische Verhältnisse und saure Böden an
Amphibien / ReptilienMoorfrosch (Rana arvalis), Kreuzotter (Vipera berus)Belegen ungestörte Feuchthabitate mit ausreichenden Rückzugsräumen
AvifaunaBekassine, Kranich, SaatgansBeweisen die Funktion als überregional bedeutsamer Rast- und Brutplatz im Biotopverbund

Horner Paradiese: Urban Gardening im Quartier

Die offiziell verwalteten Parks und Naturschutzgebiete werden in Horn zunehmend durch zivilgesellschaftliche Grüninitiativen ergänzt. Das bekannteste Beispiel ist das Projekt der „Horner Paradiese“ am Gojenboom 46. Als integratives Urban-Gardening-Projekt zeigt es, wie Anwohner:innen brachliegende städtische Flächen gemeinsam bepflanzen und nutzen können.

In den Horner Paradiesen baut ein diverses, interkulturelles Team in systematisch angelegten Hochbeeten Gemüse, Kräuter und Zierpflanzen an. Ökologisch fördern die kleinteiligen Pflanzungen die lokale Biodiversität durch ein kontinuierliches Blütenangebot für Bestäuber und verbessern die Bodenbiologie. Sozial sind die Gärten niedrigschwellige, konsumfreie Begegnungsorte und stärken den interkulturellen Dialog im Quartier. Als praktische Klimabildung vermitteln sie Wissen über saisonalen Anbau, den schonenden Umgang mit Wasserressourcen und den Wert lokaler Stoffkreisläufe.

Die Horner Paradiese sind tief in den sozialen Strukturen des Quartiers verankert. Bei lokalen Veranstaltungen wie dem Stadtteilfest rund um die Horner Freiheit öffnen sie regelmäßig für die breite Öffentlichkeit – und zeigen dabei, dass wirksame Klimaanpassung in Hamburg-Horn keine rein behördliche Aufgabe ist, sondern maßgeblich von engagierten Bürger:innen getragen wird. Mehr zu diesen Projekten im Guide zu Urban Gardening in Hamburg-Horn. Weitere Einblicke in politische Unterstützung solcher Initiativen findest du auf der Themen-Übersichtsseite, der Stadtentwicklung und Wohnen in Hamburg-Horn und dem Verkehrs-Guide für Hamburg-Horn.

Klimainfrastruktur und bauliche Resilienz

Die Bewahrung historischer Naherholungsflächen ist wichtig, reicht allein aber nicht aus. Weil Extremwetterereignisse zunehmen (langanhaltende Hitzewellen, Dürreperioden, plötzlicher Starkregen), muss auch die gebaute Infrastruktur des Stadtteils neu gedacht werden. Hamburg-Horn setzt dabei auf technische und landschaftsplanerische Konzepte, die eng mit der Arbeit des KUS-Ausschusses verknüpft sind.

Horner Aufschwung Legienstraße Hamburg-Horn – Luftaufnahme des entstehenden Quartierszentrums im Architekturmodellstil

Der Grüne Loop und die Landschaftsachse Horner Geest

Das volle klimatische und ökologische Potenzial einzelner Parks entfaltet sich erst, wenn diese physisch miteinander vernetzt werden. Genau das ist das Ziel der Landschaftsachse Horner Geest und ihres lokalen Herzstücks, des Grünen Loops.

Die Landschaftsachse Horner Geest ist ein rund neun Kilometer langes, durchgehendes Grün- und Freiraumband – vom dicht bebauten Hamburger Hauptbahnhof bis zu den Flächen am Öjendorfer See. Auf diesem Weg überwindet es erhebliche städtebauliche Barrieren und verbindet fünf sozial und architektonisch sehr unterschiedliche Stadtteile: St. Georg, Borgfelde, Hamm, Horn und Billstedt. Die Entwicklung dieser Achse wurde durch einen besonderen Beteiligungsprozess geprägt: Unter dem Titel „Deine Geest“ erhielten Bürger:innen die direkte Entscheidungsgewalt über ein Budget von einer Million Euro für die Aufwertung der Achse. Aus ursprünglich 233 eingereichten Projektideen wurden die besten Konzepte durch ein kombiniertes Verfahren aus Bürgervotum (50 Prozent) und Fachjury (50 Prozent) ausgewählt und in lokalen Planungswerkstätten zur Umsetzungsreife gebracht.

Tief in diese übergeordnete Achse eingebettet ist der „Grüne Loop“, ein zentrales Element des städtebaulichen Rahmenplans Horner Geest 2040. Der Loop ist als durchgehender blau-grüner Ring konzipiert, der die wesentlichen Wasser- und Freiflächen des Quartiers, insbesondere das Schiffbeker Moor und das Horner Moor, zu einem ökologischen Band verknüpft.

Der Loop hat drei Aufgaben zugleich. Er schafft sichere Wegeverbindungen für den Fuß- und Radverkehr, die vollständig vom motorisierten Verkehr getrennt sind, und bindet damit zentrale Bildungs- und Sozialeinrichtungen ins Quartier ein: die Brüder-Grimm-Schule, die Schule Sterntalerstraße, das Spielhaus Speckenreye und die Sportanlagen an der Legienstraße.

Als blau-grüne Infrastruktur werden bestimmte Flächen entlang des Loops topografisch und vegetativ so gestaltet, dass sie bei Starkregenereignissen Wasser zurückhalten und das unterirdische Sielnetz vor Überlastung schützen. Und weil bestehende Spiel-, Sport- und Aufenthaltsplätze im direkten Wohnumfeld aufgewertet werden, sinkt der Nutzungsdruck auf empfindliche Kerngebiete wie das Horner Moor.

Ergebnisse der Bürgerbeteiligung (2022–2023)

Die planerische Ausarbeitung des Rahmenplans und der Routenführung des Grünen Loops wurde in den Jahren 2022 und 2023 von einer intensiven Öffentlichkeitsbeteiligung begleitet. Das Kopenhagener Architekturbüro Vandkunsten Architects führte gemeinsam mit dem Verkehrsplanungsbüro ARGUS und lokalen Institutionen vielfältige Dialogformate durch: „Zufallsbegegnungen“ im öffentlichen Raum, Online-Dialoge, Stadtteilrundgänge und sogar ein Minecraft-Beteiligungsprojekt, um gezielt die Perspektiven von Jugendlichen einzuholen.

Die Ergebnisse formulierten klare Arbeitsaufträge der Horner:innen an die Planungsbehörden:

ThemenfeldForderungen der Bürgerbeteiligung 2022/2023
Freiraum und NaturschutzDer Parkcharakter muss erhalten bleiben. Klare Absage an großflächige Nachverdichtung auf Grünflächen. Keine übermäßige „Eventisierung“ der Parks; ökologischer „Wildwuchs“ zur Förderung der Biodiversität wird ausdrücklich begrüßt.
Urbane MobilitätDeutlich breitere und barrierefreie Wege im Grünen Loop. Dringender Bedarf an sicheren, direkten Fuß- und Radwegeverbindungen zu den neuen U4-Haltestellen, insbesondere an der Querung Horner Rennbahn.
Wohnen und BestandserhaltFokus auf energetische Sanierung der Bestandsbauten aus den 1930er und 1950er Jahren. Bei notwendigen Nachverdichtungen (z.B. Überbauung von Garagenhöfen) muss der Erhalt bestehender Kinderspielplätze garantiert werden.
Soziale InfrastrukturStarker Bedarf an neuen, konsumfreien Mehrgenerationenhäusern und interkulturellen Begegnungsstätten. Wettergeschützte Aufenthaltsbereiche (Sonnen- und Regenschutz) auf zentralen Platzanlagen wie an der Manshardtstraße werden gefordert.

Das Schwammstadt-Prinzip: Regenwasser als Ressource

Traditionelle Stadtentwässerungssysteme – entwickelt im 20. Jahrhundert – folgen einer simplen Logik: Regenwasser so schnell wie möglich in die unterirdische Kanalisation ableiten. Das funktionierte eine Zeit lang gut. Doch mit der Zunahme von Starkregenereignissen führt dieses Prinzip zu massiven hydraulischen Überlastungen, Rückstaus in Kellern und Überschwemmungen im Straßenraum. Die Antwort darauf ist das Paradigma der Schwammstadt (Sponge City).

Das Konzept zielt darauf ab, den natürlichen Wasserkreislauf im versiegelten Stadtraum so weit wie möglich wiederherzustellen: Regenwasser soll genau dort, wo es fällt, aufgenommen, im Boden gespeichert und dann zeitverzögert ans Grundwasser abgegeben oder über Vegetation verdunstet werden. Im Bezirk Hamburg-Mitte wird dieser Ansatz durch das Verbundprojekt RISA (RegenwasserInfraStrukturAnpassung) strategisch gesteuert.

Schwammstadt-Prinzip Hamburg-Horn – Symbolbild für dezentrale Regenwasserbewirtschaftung und Klimaanpassung aus der Vogelperspektive im Architekturmodellstil

Die konkreten Maßnahmen der Schwammstadt-Strategie in Hamburg-Horn umfassen mehrere ineinandergreifende technische Bausteine:

  • Nicht mehr benötigte Asphalt-, Pflaster- oder Betonflächen werden aufgebrochen und entsiegelt. Das Niederschlagswasser kann dann direkt in den Boden infiltrieren und trägt zur lokalen Grundwasserneubildung bei.
  • Versickerungsmulden als topografische Senken und unterirdische Füllkörper-Rigolen, meist als Straßenbegleitgrün angelegt, nehmen Oberflächenwasser von versiegelten Fahrbahnen auf, filtern es und geben es zeitverzögert an den Untergrund ab.
  • Gründächer können bis zu 70 Prozent des jährlichen Niederschlagsvolumens aufnehmen und zurückhalten. Die Verdunstungskälte der Pflanzen schützt das Gebäude darunter im Sommer vor Überhitzung, der UV-Schutz verlängert die Lebensdauer der Dachabdichtung. Prof. Antje Stokman von der HafenCity Universität Hamburg verweist zudem auf die ökologischen und wirtschaftlichen Vorteile vertikaler Fassadenbegrünungen für die Kühlung eng bebauter Straßenzüge.

Der Horner Aufschwung

Wie Klimaanpassung in der gebauten Realität aussehen kann, zeigt das Neubauprojekt „Horner Aufschwung“ am Querkamp. Das im Beteiligungsverfahren „Mitte machen Horn“ entwickelte Vorhaben bündelt vier bisher räumlich getrennte und teils stark sanierungsbedürftige soziale Einrichtungen unter einem gemeinsamen Dach: die Elternschule Horner Geest, das Jugendzentrum Horner Geest, das Haus der Jugend Manshardtstraße und das Spielhaus Speckenreye.

Mit einer geplanten Bruttogrundfläche von rund 1.800 Quadratmetern wird der zweigeschossige Entwurf von Gerber Architekten (Sieger des Architekturwettbewerbs von 2022) zum neuen multifunktionalen Zentrum für Soziales und Bewegung im Quartier. Es ist zugleich ein Beispiel für bauliche Klimaanpassung.

Gebaut wird in Holzhybrid-Bauweise: Holz in Kombination mit lastabtragenden Betonelementen reduziert den im Baumaterial gebundenen CO2-Fußabdruck (den sogenannten „Embodied Carbon“) im Vergleich zu konventionellen Massivbauten erheblich. Schon in der Planungsphase werden ausschließlich schadstoffarme Bauprodukte eingesetzt. Nach dem Cradle-to-Cradle-Ansatz ist das Gebäude als temporäre Materialbank konzipiert: Die Komponenten sollen nach Ende der Nutzungsdauer sortenrein demontiert und in neue Stoffkreisläufe zurückgeführt werden können.

Das Baugrundstück und die Außenflächen greifen die Schwammstadt-Konzepte auf. Durch lokale Versickerung und Retention entlastet das Projekt das angrenzende Kanalnetz bei Starkregenereignissen vollständig.

Der Baubeginn für das Quartierszentrum ist für Sommer 2026 terminiert, die Fertigstellung wird für das erste Halbjahr 2028 erwartet.

Kaltluftschneisen

Neben dem Regenwassermanagement ist das Windmanagement der zweite, ebenso wichtige Pfeiler der urbanen Klimaresilienz. Die Stadtklimaanalyse Hamburg, 2023 auf Basis eines hochauflösenden 10-Meter-Rasters neu aufgelegt (das vorherige Raster hatte 50 Meter Auflösung), verdeutlicht das Problem klar: Obwohl Hamburg makroklimatisch dank seiner Lage in der Norddeutschen Tiefebene generell gut durchlüftet ist, führen windschwache Hochdruckwetterlagen in dicht bebauten und stark versiegelten Quartieren wie Horn zu erheblichem Hitzestress. Dieser potenziert sich nachts und stellt besonders für vulnerable Bevölkerungsgruppen – ältere Menschen, chronisch Kranke, Kleinkinder – ein ernstes Gesundheitsrisiko dar.

Horner Geest Hamburg-Horn – Luftaufnahme der Landschaftsachse mit Grünem Loop im Architekturmodellstil, grüne Verbindungsachse durch den Stadtteil

Hier kommen die sogenannten Kaltluftschneisen ins Spiel. Das sind strategisch unbebaute, in der Regel begrünte Flächenstrukturen und topografische Leitbahnen. Sie ermöglichen es, dass die in kühleren Randgebieten und Grünzügen nächtlich entstehende, schwerere Kaltluft gravitativ in die überhitzten Siedlungszentren fließen kann. Der Erhalt und die Pflege dieser Leitbahnen ist für die nächtliche Auskühlung der Wohnquartiere essenziell.

Die hochauflösenden Karten der neuen Stadtklimaanalyse zeigen die Konsequenzen überdeutlich: Jede weitere Verdichtung, jede Erhöhung von Gebäuden in Strömungskorridoren und jede weitere Flächenversiegelung im Bereich sensibler Luftleitbahnen mindert den Luftaustausch spürbar. Die planerischen Konsequenzen für den Bezirk sind klar: absoluter Erhalt großer Freiflächen, systematische Entsiegelung und Begrünung von Blockinnenhöfen sowie eine aerodynamisch durchdachte Baukörperstellung bei neuen Bauvorhaben, die den nächtlichen Windfluss nicht blockiert, sondern gezielt in die Quartiere lenkt. Aus dieser Perspektive sind der Grüne Loop und die Landschaftsachse Horner Geest weit mehr als Wege für Rad- und Fußverkehr: Sie sind vitale aerodynamische Korridore für die thermische Entlastung des gesamten Hamburger Ostens.

Meine politische Einordnung

Dass Naturschutz und Stadtentwicklung im Bezirk Hamburg-Mitte so eng zusammenhängen, ist das Ergebnis klarer politischer Schwerpunktsetzungen, für die ich mich gemeinsam mit dem KUS-Ausschuss einsetze. Unter dem Leitmotiv „Verwurzelt in Horn, zu Hause im Hamburger Osten, Verantwortung für ganz Mitte“ verfolge ich eine Politik, die die Lebensqualität ins Zentrum jeder Verwaltungsentscheidung stellt. Das erfordert manchmal harte Verhandlungen innerhalb der bezirklichen Ampelkoalition. Es geht darum, Stadtentwicklung nicht den Marktmechanismen zu überlassen, sondern sie aktiv ökologisch zu steuern.

Die zentralen handlungsleitenden Prinzipien für unsere Quartiere sind für mich klar:

  • Der alte Baumbestand hat Vorrang. Historische Bäume wie die Stiel-Eiche im Blohms Park sind über Jahrhunderte gewachsene Mikroklimasysteme, die durch Ersatzpflanzungen nicht zu reproduzieren sind. Bei neuen städtebaulichen Vorhaben muss die Planung um den bestehenden Baumwuchs herum erfolgen, nicht umgekehrt. Abholzungen für rein wirtschaftliche Flächenoptimierungen lehne ich strikt ab.
  • Öffentliche Parks bleiben nicht-kommerziell. Naherholungsgebiete wie das Horner Moor oder die Bereiche des Grünen Loops müssen als freie, konsumungebundene Räume für alle Bürger:innen erhalten bleiben. Eine schleichende Privatisierung oder kommerzielle „Eventisierung“ dieser Areale steht dem Gemeinwohl und der Funktion als ruhige Rückzugsräume direkt entgegen.
  • Klimaresilienz ist Bauvoraussetzung. Die Prinzipien der Schwammstadt – konsequente Entsiegelung, lokaler Regenwasserrückhalt, obligatorische Dach- und Fassadenbegrünung – dürfen bei Neubauprojekten und umfassenden Sanierungen keine optionalen Extras mehr sein. Sie müssen als rechtlich bindende Voraussetzungen in Baugenehmigungen integriert werden. Der Horner Aufschwung liefert dafür eine skalierbare Blaupause.

Diese ökologischen Leitplanken müssen in den Gremien der Bezirksversammlung angewendet und verteidigt werden.

Weitere Guides zu Hamburg-Horn

Verwandte Guides zu Parks, Natur und Klimaanpassung in Hamburg-Horn:

Hast du Fragen zu konkreten Projekten im Stadtteil oder möchtest du dich zu einem der Themen in diesem Guide einbringen? Auf der Kontaktseite erreichst du mich direkt.

Häufige Fragen

Was ist der geplante Grüne Loop in Hamburg-Horn?
Der Grüne Loop ist ein zentrales städtebauliches Projekt innerhalb des Rahmenplans Horner Geest 2040. Es handelt sich um einen blau-grünen Ring, der bestehende Parkanlagen (wie das Schiffbeker Moor und das Horner Moor) sowie wichtige soziale Einrichtungen und Schulen durch sichere, begrünte Wege miteinander vernetzt. Er dient gleichzeitig der lokalen Naherholung, der Förderung sicherer Mobilität und der klimagerechten Regenwasserbewirtschaftung.
Woher stammt der eiserne Löwe im Blohms Park?
Die denkmalgeschützte Löwen-Plastik aus Eisen gehörte ursprünglich zum Ohlendorff'schen Palais in Hamburg-Hamm. Dieses Gebäude wurde 1874 für den Kaufmann Heinrich Freiherr von Ohlendorff erbaut und im Juli 1943 fast vollständig zerstört. Nach einer Zwischenstation im Hammer Park wurde der Löwe Anfang der 1960er Jahre in den Blohms Park transferiert und steht dort heute als historisches Mahnmal neben der ältesten Eiche des Stadtteils.
Welche Ziele verfolgt das Urban-Gardening-Projekt Horner Paradiese?
Die Horner Paradiese am Gojenboom sind ein integratives Nachbarschaftsprojekt, bei dem Anwohner:innen in gemeinschaftlich bewirtschafteten Hochbeeten Obst, Gemüse und Kräuter anbauen. Das Projekt fördert die lokale Biodiversität, bietet konsumfreien Raum für interkulturelle Begegnungen und stärkt durch gemeinschaftliche Gartenarbeit den sozialen Zusammenhalt sowie das ökologische Bewusstsein im Quartier.
Was verbirgt sich hinter dem Schwammstadt-Prinzip?
Das Schwammstadt-Prinzip (Sponge City) ist ein modernes Konzept der städtischen Klimaanpassung. Anstatt Regenwasser über versiegelte Flächen sofort in die Kanalisation abzuleiten, wird es lokal – ähnlich wie von einem Schwamm – aufgesogen. Durch Entsiegelung, Versickerungsmulden, Rigolen sowie Dach- und Fassadenbegrünungen wird das Niederschlagswasser im Boden gespeichert und verdunstet zeitverzögert. Das verhindert Überschwemmungen bei Extremwetter und kühlt die Stadt an heißen Tagen ab.
Was ist der Horner Aufschwung?
Der Horner Aufschwung ist ein geplantes, multifunktionales Quartierszentrum am Querkamp in Horn, das vier bisher getrennte Einrichtungen der Jugend- und Familienhilfe unter einem Dach bündelt: die Elternschule Horner Geest, das Jugendzentrum Horner Geest, das Haus der Jugend Manshardtstraße und das Spielhaus Speckenreye. Es wird in nachhaltiger Holzhybrid-Bauweise mit integrierten Schwammstadt-Prinzipien errichtet und soll im ersten Halbjahr 2028 fertiggestellt sein.

Quellen

Deine Ansprechpartnerin

Ich bin Stephanie Wittern –
deine Grünenpolitikerin für Hamburg-Mitte.

Fragen zu diesem Thema oder zu Bezirkspolitik in Hamburg-Mitte? Ich freue mich über deine Nachricht und stehe für Rückfragen gern zur Verfügung.