Urban Gardening in Hamburg-Horn: Die Horner Paradiese
Urban Gardening in Horn: Die Horner Paradiese am Gojenboom – Hamburgs grüner Treffpunkt. Mitmachen, was wächst dort und wie das Klima davon profitiert.
Urban Gardening Hamburg-Horn hat ein konkretes Gesicht: die Horner Paradiese am Gojenboom, direkt neben dem Stadtteilhaus. Tomaten, Kräuter, Rosen und Obstbäume – gepflegt von Menschen aus dem Viertel, für alle offen. Ein Gemeinschaftsgarten, der sein Quartier verändert: sozial, ökologisch und klimatisch.
Als Vorsitzende des KUS-Ausschusses (Klimaschutz, Umwelt und Stadtnatur) beobachte ich solche Projekte nicht nur politisch. Ich bin überzeugt: Urban Gardening ist kein nettes Hobby – es ist ein wirksames Werkzeug für eine klimaresiliente Stadt.

Wie entstanden die Horner Paradiese?
Die Geschichte beginnt mit einem großen Stadtentwicklungsprojekt: der Landschaftsachse Horner Geest – oft als Hamburgs längster und jüngster Park beschrieben. Neun Kilometer erstreckt sich dieser Grünzug vom Hamburger Hauptbahnhof bis zum Öjendorfer See, durch rund 150 Hektar des Hamburger Ostens.
Für dieses Projekt rief die Stadt Hamburg Bürger:innen auf, eigene Projektideen einzureichen. 233 Vorschläge kamen zusammen. Eine Jury aus Fachleuten und Bürger:innen wählte zwölf davon aus – und finanzierte sie gemeinsam mit Bundesmitteln aus dem Programm „Nationale Projekte des Städtebaus” mit rund einer Million Euro.
Die Horner Paradiese gehörten zu den Gewinnerprojekten. Am 14. September 2017 gab der damalige Umweltsenator den Startschuss – mit dem Bau des ersten Hochbeets. Anderthalb Jahre später, am 6. April 2019, wurde der Gemeinschaftsgarten am Gojenboom feierlich eröffnet.
Das ist kein Zufall: Horn wächst und verdichtet sich. Die Wartelisten für klassische Kleingärten sind lang. Der Gemeinschaftsgarten füllt genau diese Lücke – niedrigschwellig, offen für alle, ohne Parzellen-Denken.
Wer mehr über das Stadtteilhaus Horner Freiheit erfahren möchte, das direkt an den Garten grenzt, findet alle Informationen im Guide zum Stadtteilhaus Horner Freiheit.
Was wächst dort? Ein Rundgang durch den Garten
Der Garten am Gojenboom 46 ist kein klassisches Schrebergarten-Areal mit streng abgezirkelten Parzellen. Er ist vielmehr ein lebendiger Flickenteppich verschiedener Bereiche – jeder mit einer eigenen Funktion.
Hochbeete sind das Herzstück. Hier wird auf rückenschonendem Niveau Gemüse angebaut: Tomaten, Kürbisse, Kräuter. Die Beete sind auf feste Freiwillige aufgeteilt, die sich zuverlässig um ihre Pflanzen kümmern. Deshalb gilt dort ein Ernteverbot für Besucher:innen – nicht aus Abweisung, sondern aus Notwendigkeit: Starkzehrer wie Tomaten brauchen verlässliche Pflege.
Daneben gibt es Gemeinschaftsflächen, die alle erkunden und genießen dürfen:
- Kräuterspirale – ein aufgetürmtes Beet, das auf kleinstem Raum verschiedene Feuchtigkeits- und Wärmezonen schafft: von mediterranen Kräutern ganz oben bis zu wasserliebenden Pflanzen an der Basis
- Verwunschenes Rosenbeet – Duft, Farbe und Nahrung für Bienen
- Färbepflanzen-Beet – ein lebendiges botanisches Gedächtnis mit seltenen Pflanzenarten
- Insektenhotelpark – Nisthilfen und Überwinterungsplätze für Wildbienen und andere nützliche Insekten
- Wilder Paradieswald – eine bewusst unberührte Ecke als Rückzugsort für Vögel, Eichhörnchen und Amphibien
- Obstbäume und Beerensträucher – Äpfel, Kirschen, Wildbeeren, die zur Gemeinschaftsernte einladen
Zur Infrastruktur gehören außerdem eine mechanische Wasserpumpe mit unterirdischem Regenwassertank, eine Kompostanlage, ein Gerätecontainer mit gemeinschaftlichem Werkzeug und ein Info-Container als Treffpunkt und Anlaufstelle.
Wer steckt dahinter?
Der ursprüngliche Träger, der Stadtteilverein Horn e.V., konnte das Projekt auf Dauer nicht alleine stemmen – zu wenig Nachwuchs, zu viel Verantwortung auf zu wenigen Schultern. Seit Anfang 2024 liegt die offizielle Trägerschaft beim Horner Freiheit e.V., dem Verein hinter dem gleichnamigen Stadtteilhaus.
Die eigentliche Gartenarbeit leisten jedoch die Freiwilligen selbst. Eine kleine Kerngruppe – die AG Horner Paradiese – koordiniert die Aufgaben, plant Veranstaltungen, kümmert sich um die Öffentlichkeitsarbeit und hält den Kontakt zum Trägerverein. Ein ehrenamtlicher Motor, der oft unterschätzt wird.
Das Ehrenamt ist die eigentliche Stärke dieser Projekte – und gleichzeitig ihre größte Verwundbarkeit. Dazu später mehr.
Wie kann ich mitmachen?
Ganz einfach: Der Garten am Gojenboom 46 ist rund um die Uhr frei zugänglich. Du kannst jederzeit vorbeikommen, schauen, genießen.
Wer aktiv gärtnern möchte, geht so vor:
Erstkontakt aufnehmen. Schreib eine E-Mail an horner.paradiese@hornerfreiheit.de oder sprich das Team im Stadtteilhaus Horner Freiheit nebenan direkt an.
Zu einem Gemeinschaftsgartentag kommen. Das sind die regelmäßigen Treffen, bei denen gemeinsam gearbeitet, gelacht und Kaffee getrunken wird. Im Frühjahr und Sommer finden sie oft wöchentlich statt – häufig montags von 18 bis 19 Uhr. Die aktuellen Termine findest du:
- am Schwarzen Brett im Stadtteilhaus Horner Freiheit
- am Info-Container direkt im Garten
- im Veranstaltungskalender auf hornerfreiheit.de
- auf Instagram unter @hornerparadiese
Eigene Werkzeuge? Nicht nötig. Spaten, Grabegabeln, Gießkannen – alles liegt im Gerätecontainer. Die erfahrenen Mitglieder zeigen, wie Wasserpumpe und Kompostanlage funktionieren.
Langfristig dabei bleiben? Wer möchte, kann nach einer Einarbeitungsphase die Verantwortung für ein bestimmtes Beet oder einen Bereich übernehmen. Das Projekt lebt davon, dass verlässliche Menschen dauerhaft dabei bleiben.
Übrigens: Nicht nur Einzelpersonen sind willkommen. Auch Schulklassen, Vereine oder andere Gruppen können sich einbringen – fragt einfach an.
Warum das für das Klima wichtig ist
Hamburg hat ein Wärmeproblem. Nicht global gemeint – sondern buchstäblich in unseren Straßen. Asphalt und Beton speichern tagsüber die Sonnenhitze und geben sie nachts langsam wieder ab. In dicht bebauten Stadtteilen wie Teilen von Horn ist es dadurch im Sommer messbar heißer als im Umland. Fachleute nennen das den „städtischen Wärmeinseleffekt”.
Begrünte Flächen wirken dagegen wie eine natürliche Klimaanlage: Pflanzen nehmen Wasser aus dem Boden auf und geben es über ihre Blätter an die Luft ab. Dabei kühlt sich die Umgebungsluft ab – ähnlich wie bei einem Menschen, der schwitzt. Dazu kommt der Schatten von Bäumen und Sträuchern, der Boden und Menschen vor direkter Sonneneinstrahlung schützt.
Eine europaweite wissenschaftliche Studie hat das konkret gemessen: Ein Quadratkilometer Stadtgartenfläche verbessert das Mikroklima für durchschnittlich über 8.000 Anwohner:innen im direkten Umfeld – und die kühlende Wirkung reicht im Schnitt auf eine 2,8-mal größere Fläche, als der Garten selbst einnimmt.
Auch bei Starkregen spielen diese Flächen eine wichtige Rolle. Versiegelte Böden können kein Wasser aufnehmen – alles fließt direkt in die Kanalisation, die bei Unwettern schnell überlastet ist. Unversiegelte Gartenflächen mit gesundem Humusboden hingegen saugen das Wasser auf wie ein Schwamm, speichern es für trockene Zeiten und geben es langsam wieder ab. Das ist das Schwammstadt-Prinzip – und die Horner Paradiese setzen es praktisch um, mit ihrem unterirdischen Regenwassertank und den offenen Bodenflächen.
Als Bonus: Die Pflanzen filtern auch Feinstaub aus der Luft und verbessern so die Luftqualität in einem Viertel, das noch immer von Hauptverkehrsstraßen geprägt ist.
Teil eines größeren Netzwerks
Die Horner Paradiese stehen nicht allein. Sie sind Teil des Bündnisses „Hamburgs Gärten – Bündnis für Urban Gardening”, das Dutzende Gemeinschaftsgärten in ganz Hamburg vernetzt.
Dieses Netzwerk – gefördert von der Hamburger Sozialbehörde und der bundesweit aktiven Stiftung „anstiftung” – bringt ganz unterschiedliche Projekte zusammen: den Gemüse- und Bienengarten Dulsberg (seit 2016 in einem SAGA-Innenhof), den Stephanusgarten in Eimsbüttel, das Gartendeck St. Pauli auf der Großen Freiheit oder das integrative Gartenprojekt „STADTGEMÜSE Lütte Looge” in Eppendorf, das Urban Gardening als interkulturellen Begegnungsort nutzt.
Das Netzwerk organisiert Treffen in wechselnden Gärten, verschickt Newsletter und bietet Workshops an – unter anderem zur Frage, wie man Freiwilligenprojekte langfristig am Laufen hält.
Was Urban Gardening politisch bedeutet
Ich sage das direkt: Projekte wie die Horner Paradiese sind nicht nur schön – sie sind klimapolitisch notwendig.
Hamburg-Mitte gehört zu den am stärksten versiegelten Bezirken Hamburgs. Jede Fläche, die wir entsiegeln und begrünen, ist ein Gewinn: für die Artenvielfalt, für das Stadtklima, für die Menschen, die dort wohnen. Der Hamburger Volksentscheid von Oktober 2025, der das Ziel der Klimaneutralität auf 2040 vorgezogen hat, macht deutlich: Wir haben keine Zeit mehr für halbherzige Maßnahmen.
Als Vorsitzende des KUS-Ausschusses setze ich mich dafür ein, dass solche Projekte nicht von Ehrenamtlichen allein getragen werden müssen. Was wir brauchen:
- Flächen sichern: Ungenutzte öffentliche Liegenschaften sollten einfacher und langfristig für Gartenprojekte verfügbar gemacht werden.
- Bürokratie abbauen: Die Förderantragstellung ist für kleine ehrenamtliche Gruppen oft eine Hürde. Das muss einfacher werden.
- Entsiegelung vorantreiben: Im Bezirk gibt es noch zu viele versiegelte Flächen ohne Nutzungsperspektive. Die Identifikation und Freigabe solcher Potenzialflächen ist eine der konkreten Aufgaben des KUS-Ausschusses.
Die Umgestaltung der Manshardtstraße im Zuge des U4-Baus (Inbetriebnahme Ende 2027) zeigt: Infrastruktur und Klimaschutz müssen zusammengedacht werden. Breite Baumstreifen, mehr Grün, Aufenthaltsqualität – das sind keine Extras, das ist die Grundlage einer lebenswerten Stadt.
Urban Gardening ist dabei kein Gegenprojekt zur großen Stadtplanung – es ist ihre Ergänzung von unten. Von Menschen aus dem Viertel, für Menschen aus dem Viertel. Und mit einem messbaren Effekt auf das Klima.
Wer tiefer in das Thema Klimaschutz im Hamburger Osten einsteigen möchte, findet einen Überblick im Guide zu Hamburg-Horn. Einblicke in das breite ehrenamtliche Engagement im Stadtteil gibt der Guide zur Nachbarschaftshilfe in Hamburg-Horn. Wer mit Kindern in Horn unterwegs ist, findet im Spielplatz-Guide Hamburg-Horn praktische Ausflugstipps – darunter auch Flächen, die direkt an Gartenprojekte angrenzen. Das breite kostenlose Kulturangebot im Stadtteil beschreibt der Kulturangebote-Guide Hamburg-Horn. Die ökologischen Hintergründe – Schwammstadt, Hitzeschutz und Starkregenmanagement – erklärt der Klimaanpassungs-Guide Hamburg-Horn.
Freizeittipps, Ausflugsziele und Naturangebote in Horn: Top 15 Freizeittipps für Hamburg-Horn
Meine politischen Ziele für Stadtnatur und Grünflächen: Stadtnatur & Grünflächen →
Häufige Fragen
- Wie kann ich bei den Horner Paradiesen mitmachen?
- Schreib eine E-Mail an horner.paradiese@hornerfreiheit.de oder komm einfach zu einem der Gemeinschaftsgartentage – die Termine hängen im Stadtteilhaus Horner Freiheit aus und stehen auf hornerfreiheit.de. Im Frühjahr und Sommer treffen sich die Freiwilligen oft montags von 18 bis 19 Uhr direkt im Garten.
- Ist der Garten am Gojenboom für alle offen?
- Ja, der Garten am Gojenboom 46 ist rund um die Uhr frei zugänglich. Du kannst ihn jederzeit besuchen und anschauen. Für aktives Gärtnern und das Übernehmen von Beeten ist eine Anmeldung bei der AG Horner Paradiese nötig.
- Darf ich Gemüse oder Obst aus den Horner Paradiesen pflücken?
- Die Hochbeete sind festen Freiwilligen zugeteilt – dort gilt ein Ernteverbot für Besucher:innen. Auf den Gemeinschaftsflächen (Kräuterspirale, Obstbäume, Beerensträucher) ist Ernten nach Absprache mit der Freiwilligengruppe möglich.
- Wer trägt die Verantwortung für die Horner Paradiese?
- Seit Anfang 2024 ist der Verein Horner Freiheit e.V. offizieller Träger. Die tägliche Gartenarbeit liegt bei einer Freiwilligengruppe, die von der AG Horner Paradiese koordiniert wird. Das Stadtteilhaus Horner Freiheit nebenan ist auch Anlaufstelle für Fragen.
- Wie wurden die Horner Paradiese finanziert?
- Das Projekt entstand im Rahmen des Stadtentwicklungsprogramms 'Deine Geest – Landschaftsachse Horner Geest'. Bund und Stadt Hamburg stellten dafür rund eine Million Euro Fördermittel bereit. Die Horner Paradiese waren eines von zwölf ausgewählten Bürgerprojekten.
- Welchen Klimanutzen hat ein Gemeinschaftsgarten wie die Horner Paradiese?
- Begrünte, unversiegelte Flächen kühlen das Stadtklima, weil Pflanzen Wasser verdunsten und so wie eine natürliche Klimaanlage wirken. Außerdem speichern sie Regenwasser und entlasten die Kanalisation bei Starkregen – das ist das Schwammstadt-Prinzip. Eine europäische Studie errechnete, dass ein Quadratkilometer Stadtgartenfläche das Mikroklima für über 8.000 Anwohner:innen spürbar verbessert.
- Gibt es ähnliche Gärten in anderen Stadtteilen von Hamburg-Mitte?
- Ja. Das Bündnis 'Hamburgs Gärten' vernetzt Dutzende Urban-Gardening-Projekte in ganz Hamburg – vom Gemüse- und Bienengarten in Dulsberg über den Stephanusgarten in Eimsbüttel bis zum Gartendeck St. Pauli. Die Horner Paradiese sind Teil dieses stadtweiten Netzwerks.
Quellen
- Horner Freiheit e.V. – Horner Paradiese
- Veranstaltungen Horner Freiheit
- Landschaftsachse Horner Geest – bgmr Landschaftsarchitekten
- Bürgerprojekte Horner Geest starten – Hamburg.de (2017)
- Gärten in der Stadt – Hamburg.de
- Hamburgs Gärten – Bündnis für Urban Gardening
- Urban Gardening Hamburg – moinzukunft
- Stadtklimaanalyse Hamburg – BUKEA
- Kühlwirkung urbaner Gärten – ResearchGate (Europäische Studie)
- Grüner Faden – Die 12 Gewinnerprojekte Deine Geest
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Ich bin Stephanie Wittern –
deine Grünenpolitikerin für Hamburg-Mitte.
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