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Rahmenplan Horner Geest 2040 – städtebauliche Planung für Hamburg-Horn

Rahmenplan Horner Geest 2040: Was die große Stadtteilwende bedeutet

Der Rahmenplan Horner Geest 2040 plant bis zu 3.100 neue Wohnungen, ein neues Zentrum und den Grünen Loop – meine Einordnung als KUS-Vorsitzende.

Aktualisiert: ca. 8 Min. Lesezeit Lesezeit

Der Stadtteil Hamburg-Horn steht vor der größten städtebaulichen Transformation seit dem Zweiten Weltkrieg. Der Rahmenplan Horner Geest 2040 legt fest, wie das Quartier in den nächsten 15 Jahren wachsen, sich verdichten und dabei trotzdem lebenswert bleiben soll. Als Vorsitzende des Ausschusses für Klimaschutz, Umwelt und Stadtnatur (KUS) in der Bezirksversammlung Hamburg-Mitte begleite ich diesen Prozess intensiv – und möchte euch hier erklären, worum es wirklich geht, was die Chancen sind und wo ich noch Gesprächsbedarf sehe.

Was ist der Rahmenplan Horner Geest 2040?

Der Rahmenplan Horner Geest 2040 ist das städtebauliche Leitdokument für die Entwicklung des gesamten Quartiers bis zum Jahr 2040. Er ist eingebettet in das übergeordnete Senatskonzept „Stromaufwärts an Elbe und Bille”, das die Stadtentwicklung im Hamburger Osten strategisch koordiniert.

Erarbeitet wurde der Plan in einem intensiven Werkstattverfahren – federführend von dem Kopenhagener Architekturbüro Vandkunsten Architects in Kooperation mit dem Hamburger Büro bb22 architekten + stadtplaner. Das Ergebnis ist ein ambitionierter Plan, der vier große Vorhaben miteinander verknüpft:

  • Bis zu 3.100 neue Wohneinheiten bis 2040
  • Ein komplett neues, urbanes Quartierszentrum rund um das „Haus am Markt”
  • Der Grüne Loop als ökologisches Freiraumsystem
  • Die U4-Verlängerung (Inbetriebnahme Ende 2027) als infrastrukturelles Rückgrat

Rahmenplan Horner Geest 2040 – städtebauliche Übersicht und Planungsbereiche

Warum gerade jetzt?

Die Horner Geest ist historisch stark durch die Zeilenbebauung der 1950er und 60er Jahre geprägt – viel Licht, Luft und Grün zwischen den Gebäuden, aber wenig städtische Mischung und kaum direkte U-Bahn-Anbindung. Mit der U4-Verlängerung ändert sich das grundlegend. Wo bisher ein langer Weg zur nächsten Schnellbahnhaltestelle lag, entsteht ein direkt angebundenes Quartier – und das rechtfertigt mehr Dichte, wenn diese Dichte klug und sozial verantwortet umgesetzt wird.

Das neue Zentrum: Vom Parkplatz zum Begegnungsort

Das heutige Zentrum der Horner Geest – ein in die Jahre gekommenes Einkaufszentrum an der Manshardtstraße, umgeben von Parkplätzen und breiten Fahrbahnen – erfüllt zwar noch die Grundversorgung, hat aber wenig von dem, was ein modernes Stadtquartier ausmacht: Aufenthaltsqualität, Begegnung, Leben auf der Straße.

Der Rahmenplan dreht das grundlegend um.

Das „Haus am Markt” als neues Herzstück

Das geplante Haus am Markt ist das zentrale neue Gebäude: viergeschossig, mit lebendigen Erdgeschosszonen zur Manshardtstraße hin und einer Mischung aus Einzelhandel, sozialen Einrichtungen und Wohnungen in den Obergeschossen. Gedacht ist es als Katalysator für die „15-Minuten-Stadt” – also ein Quartier, in dem Kita, Supermarkt, Arzt und Bücherhalle fußläufig erreichbar sind.

Das bestehende, städtebaulich isolierte Parkhaus am Graßmannweg wird abgerissen; die Stellplätze wandern in eine neue Tiefgarage unter dem Haus am Markt. Damit werden wertvolle oberirdische Flächen für den öffentlichen Raum frei.

Marktplatz und Kirchplatz: Zwei Gesichter des Zentrums

Vandkunsten Architects plant zwei flankierende, charakterlich sehr unterschiedliche Plätze:

Der Marktplatz wird das geschäftige, urbane Gesicht des Zentrums: großzügig, direkt an die Erdgeschosszonen angebunden, geeignet für Wochenmärkte und Stadtteilfeste. Dichte Baumreihen schützen vor dem Lärm der Manshardtstraße. Die Bürger:innen haben in der Beteiligung außerdem deutlich nach Überdachungselementen für wetterunabhängige Nutzung gefragt – eine konkrete Forderung, die ich vollständig teile.

Der Kirchplatz rund um die historische Philippuskirche ist als ruhigerer, grünerer Begegnungsort geplant – eine Oase der Stille mitten im neuen Zentrum. Perspektivisch könnte südlich der Kirche, in Abstimmung mit der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Philippus und Rimbert, ein Kultur- und Gemeindehaus mit Wohnnutzung entstehen.

Phasenkonzept: Kein Kahlschlag, sondern rollierender Umbau

Eine Transformation dieser Größenordnung lässt sich nicht auf einen Schlag umsetzen, ohne die Versorgung im Stadtteil zu gefährden. Deshalb gibt es ein klar getaktetes Phasenmodell:

PhaseZeitraumSchwerpunkt
Phase 1Bis 2030Bau des Hauses am Markt, Gestaltung von Markt- und Kirchplatz, Neubau für Kita, Bücherhalle und Seniorenbetreuung, Abschluss der U4-Anbindung
Phase 2 & 32030–2040Etappenweiser Umbau des bestehenden Einkaufszentrums; Nahversorger rotieren in neue Flächen, um Leerstände zu vermeiden

Am Ende entstehen entlang der Manshardtstraße sechsgeschossige Gebäude, die eine klare städtebauliche Kante bilden und gleichzeitig die dahinter liegenden, ruhigeren Wohnbereiche vom Straßenlärm abschirmen.

Mobilität: Die U4 verändert alles – aber nicht alles auf einmal

Die U4-Verlängerung ist der entscheidende Hebel, der den gesamten Rahmenplan erst möglich macht. Ende 2027 soll die neue Haltestelle „Horner Geest” in Betrieb gehen – nach einem aufwändigen Tunnelbau durch schwieriges Grundwassergebiet. Für rund 13.000 Menschen im Quartier bedeutet das erstmals einen direkten Schnellbahnanschluss in die Innenstadt.

Baustelle der U4-Verlängerung Horner Geest – Tunnelarbeiten in Hamburg-Horn

Was aus der Manshardtstraße wird

Eine Frage, die viele bewegt: Wird die Manshardtstraße für Autos gesperrt? Nein. Die Straße bleibt vollständig befahrbar. Sie wird aber zur zweireihigen Baumallee umgestaltet und erhält an den Knotenpunkten Legienstraße und Dannerallee zwei neue Kreisverkehre für einen besseren Verkehrsfluss.

Das ARGUS-Mobilitätskonzept hat vorher systematisch dokumentiert, wo die größten Mängel für Fußgänger:innen und Radfahrende liegen – und die Liste ist lang: unbefestigte Gehwege in der Dannerallee, gefährlich enge Radwege in der Legienstraße mit Dooring-Risiko, schotterige Wege am Spliedtring. Künftig sollen Rad- und Fußwege baulich klar von der Fahrbahn getrennt sein – das ist überfällig und entspricht exakt dem, was die Bürger:innen in der Beteiligung gefordert haben.

Nachverdichtung im Bestand: Audorfring und Kroogblöcke

Die sensiblen Bestandsquartiere Audorfring und Kroogblöcke mit ihrer Nachkriegsbebauung und den SAGA-Hochhäusern sind städtebaulich das schwierigste Kapitel. Hier leben Menschen, die ihre durchgrünten Höfe und Freiräume zu Recht schätzen – und gleichzeitig braucht Hamburg dringend mehr bezahlbaren Wohnraum.

Der Rahmenplan setzt hier auf behutsame Nachverdichtung: Keine wahllose Bebauung jeder freien Fläche, sondern gezielte Aktivierung von untergenutzten, oft versiegelten Flächen wie alten Garagenhöfen. Das ist der richtige Ansatz. Ich werde im KUS-Ausschuss aber sehr genau darauf achten, dass bei jeder Nachverdichtung in diesen Quartieren auch die Wohnumfeldqualität und die soziale Infrastruktur spürbar besser werden – und nicht nur die Zahl der Wohnungen.

Das Vandkunsten-Konzept der „Kantzonen”

Um die Spannungen zwischen neuem Wohnraum und bestehendem Freiflächenanspruch abzufedern, arbeiten Vandkunsten Architects mit sogenannten Kantzonen – präzise definierten Übergangsbereichen zwischen dem öffentlichen Straßenraum und dem privaten Wohnbereich. Diese Pufferzonen sollen durch Sitzmöglichkeiten und kleine Vorbereiche neue Orte für nachbarschaftliche Begegnung schaffen. Die Idee: Höhere Dichte wird durch mehr Aufenthaltsqualität direkt vor der Haustür kompensiert.

Leuchtturmprojekt LeNa-Hochhaus

Was sozial verantwortliche Modernisierung im Bestand bedeuten kann, zeigt das LeNa-Projekt (Lebendige Nachbarschaft) der SAGA-Tochter ProQuartier an den Kroogblöcken. Hier wurde erstmals kein Neubau auf der grünen Wiese entwickelt, sondern ein bestehendes 13-geschossiges Hochhaus aus den 60er Jahren grundlegend konzeptionell erneuert: mit Nahversorgungsangeboten und Begegnungsflächen im Erdgeschoss sowie ambulanten Pflegedienstleistungen der Diakonie. Das ehemals monofunktionale Gebäude ist heute ein sozialer Anker für das gesamte Quartier. Das ist der Standard, an dem wir Nachverdichtung im Bestand messen sollten.

Der Grüne Loop: Klimaaktives Freiraumsystem

Eine massive Nachverdichtung ohne gleichzeitige Aufwertung der Grün- und Freiflächen wäre klimatisch und städtebaulich unverantwortlich. Der Grüne Loop ist die Antwort des Rahmenplans darauf: eine ringförmige, grün-blaue Verbindung, die die bislang isolierten Parks der Horner Geest – vom Horner Moor im Norden bis zum Biotop am Schiffbeker Moor – zu einem zusammenhängenden Naherholungssystem vernetzt.

Grüner Loop Hamburg-Horn – ringförmiges Freiraumsystem der Horner Geest

Der Loop schafft kreuzungsfreie Wege für Fußgänger:innen und Radfahrende und bildet gleichzeitig wichtige ökologische Verbundachsen für Flora und Fauna. Die Bürger:innen haben in der Beteiligung klug darauf hingewiesen, dass die Wegeführung in ökologisch sensiblen Feuchtgebieten am Schiffbeker Moor angepasst und stattdessen entlang der robusteren Legienstraße geführt werden sollte – um die Natur vor Übernutzung zu schützen. Das ist ein wichtiger Hinweis, dem die Planung folgen sollte.

Was Jugendliche fordern: konkret und berechtigt

Besonders bemerkenswert am Planungsprozess war die gezielte Einbindung von Jugendlichen, unter anderem über das Videospiel Minecraft als niedrigschwelliges Beteiligungsformat. Die Ergebnisse sind eindeutig: Die junge Generation will keine weiteren genormten Kleinkinderplätze, sondern multifunktionale Sportflächen (Basketball, Fußball, Klettern), asphaltierte Wege für Skateboards und Scooter und – das war das stärkste Signal – überdachte Bolzplätze, die ganzjährig nutzbar sind. Das sind legitime Anforderungen an nicht-kommerzielle, konsumfreie Räume für Jugendliche. Ich nehme diese Forderungen mit in die politische Arbeit.

Die Bürgerbeteiligung: Was gut war – und was die Grenzen zeigt

Das Beteiligungsverfahren von 2022 bis 2023, moderiert durch TOLLERORT entwickeln & beteiligen, war eines der umfangreichsten, das ich in Hamburg-Mitte erlebt habe. Unangekündigte Gespräche auf der Straße, Rundtouren, ein Planungsbüro direkt im Einkaufszentrum, digitale Beteiligung über DIPAS, Jugendbeteiligung über Minecraft – das war methodisch innovativ und ernsthaft aufsuchend.

Der Endbericht ist kein geglättetes Jubeldokument, sondern zeigt ehrlich die drei großen Konfliktlinien:

  1. Angst vor Dichte: Viele Bestandsbewohner:innen fürchten, dass der Gartenstadt-Charakter durch sechsgeschossige Neubauten verloren geht.
  2. Baustellen-Ermüdung: Die parallele Belastung durch U4-Tunnelbau und Wohnungsbau über viele Jahre ist eine reale und berechtigte Sorge.
  3. Die Parkplatz-Debatte: Der Konflikt zwischen gewünschter Mobilitätswende und individuellem Autobesitz ist gesellschaftlich tief verankert – er lässt sich nicht wegplanen, sondern braucht ehrliche Kommunikation.

Trotz dieser Konfliktlinien hat die Auswertung gezeigt: Die Grundstrategie – Nachverdichtung primär an den U4-Knotenpunkten im Zentrum zu bündeln und die grünen Bestandsquartiere zu entlasten – wird von einer breiten Mehrheit als logisch nachvollziehbar beschrieben.

Meine politische Einordnung

Der Rahmenplan Horner Geest 2040 ist auf dem Papier überzeugend. Er verbindet Klimaresilienz, Mobilitätswende, bezahlbaren Wohnraum und lebendige öffentliche Räume zu einem stimmigen Ganzen. Als KUS-Ausschussvorsitzende sehe ich es als meine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass aus dem Plan auch Realität wird – und zwar eine, die den Menschen im Stadtteil nützt, nicht nur den Bauplänen auf dem Reißbrett.

Das bedeutet konkret: Ich werde im KUS-Ausschuss darauf dringen, dass Nachverdichtung immer mit spürbarer Aufwertung des Wohnumfeldes einhergeht – und dass Begrünung, Klimaresilienz und Naturschutz bei jedem neuen Bebauungsplan verbindlich mitgedacht werden. Dass der Grüne Loop nicht auf dem Papier grün ist, sondern auch wirklich gebaut wird. Im Ausschuss für Verkehr und Mobilität begleite ich parallel, dass die U4 Ende 2027 kommt und die Manshardtstraße danach für Fußgänger:innen und Radfahrende wirklich sicherer wird.

Die Horner Geest soll nicht nur baulich wachsen – sie soll als Gemeinschaft zusammenwachsen.

Wer Fragen hat oder sich einbringen möchte: Ich bin direkt erreichbar über die Kontaktseite.


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Häufige Fragen

Was beinhaltet der Rahmenplan Horner Geest 2040 konkret?
Der Rahmenplan ist das städtebauliche Masterdokument für die Horner Geest bis 2040. Er plant bis zu 3.100 neue Wohneinheiten, ein neues Quartierszentrum rund um das Haus am Markt, den ökologischen Grünen Loop als Freiraumverbund und die U4-Anbindung Ende 2027 als infrastrukturelles Rückgrat.
Wann kommt die U4 in die Horner Geest?
Die Verlängerung der U-Bahn-Linie U4 von der Haltestelle Horner Rennbahn tief in die Horner Geest soll nach aktuellen Planungen der Hamburger Hochbahn Ende 2027 in Betrieb gehen. Sie bildet das entscheidende Rückgrat für das gesamte Entwicklungskonzept.
Was passiert in den Bestandsquartieren Audorfring und Kroogblöcke?
Hier setzt der Rahmenplan auf behutsame Nachverdichtung: Untergenutzte Flächen wie alte Garagenhöfe werden für neuen, geförderten Wohnraum aktiviert. Gleichzeitig zeigt das Leuchtturmprojekt LeNa-Hochhaus der SAGA, wie Modernisierung im Bestand sozial und generationenübergreifend gelingen kann.
Wie wurden die Sorgen der Anwohner:innen einbezogen?
In einem mehrstufigen Bürgerbeteiligungsverfahren (2022–2023) wurden Wünsche und Kritik systematisch gesammelt. Auf die Sorge vor zu hoher Dichte reagierten die Planer mit Kantzonen als räumlichen Puffern. Die Jugendbeteiligung floss direkt in die Gestaltung des Grünen Loops ein.
Wird die Manshardtstraße für Autos gesperrt?
Nein. Die Manshardtstraße bleibt für den Autoverkehr vollständig befahrbar. Sie wird aber zur attraktiven Baumallee mit neuen Kreisverkehren, sicher getrennten Radwegen und mehr Aufenthaltsqualität umgestaltet.
Was ist der Grüne Loop?
Der Grüne Loop ist eine ringförmige, grün-blaue Verbindung, die die Parks und Grünflächen der Horner Geest – vom Horner Moor bis zum Schiffbeker Moor – zu einem zusammenhängenden Naherholungssystem vernetzt. Er schafft kreuzungsfreie Wege für Fußgänger:innen und Radfahrende sowie ökologische Verbundachsen für Flora und Fauna.
Wer hat den Rahmenplan entwickelt?
Der Rahmenplan Horner Geest 2040 wurde maßgeblich von Vandkunsten Architects (Kopenhagen) in Kooperation mit bb22 architekten + stadtplaner erarbeitet. Das Bürgerbeteiligungsverfahren hat TOLLERORT entwickeln & beteiligen professionell moderiert, das Mobilitätskonzept stammt von ARGUS Stadt und Verkehr.

Quellen

Deine Ansprechpartnerin

Ich bin Stephanie Wittern –
deine Grünenpolitikerin für Hamburg-Mitte.

Fragen zu diesem Thema oder zu Bezirkspolitik in Hamburg-Mitte? Ich freue mich über deine Nachricht und stehe für Rückfragen gern zur Verfügung.